Jeder, der schon mal versucht hat, eine Sexszene zu schreiben, war auch schon mal mit der Frage der richtigen Wortwahl konfrontiert. Ist ja nicht so, als wären wir Autoren nicht sowieso ständig mit der Suche nach dem perfekten Wort beschäftigt, aber jetzt und hier fällt die Entscheidung auf einmal noch schwerer als sonst und man fragt sich „Darf ich das? Geht das so?“ Die Grenze zwischen erotisch und lächerlich ist manchmal dünner als man glaubt.

Da ich sowohl als Leser als auch als Autorin hauptsächlich mit schwulen Sexszenen in Kontakt komme, geht es in diesem Beitrag um Wörter für das männliche Geschlechtsteil. Wer sich berufen fühlt, möge das Thema bitte aufgreifen und auf weibliche Körperteile ausweiten!

Warum klingt Pimmel so unsexy?

Ich habe viel Zeit damit verbracht, mir über die Wirkung der einzelnen Vokabeln Gedanken zu machen. Ich bin nun keine Sprachwissenschaftlerin oder Expertin für erotische Laute, aber ich denke, dass die Tauglichkeit eines Wortes für einen bestimmten Kontext nicht nur von seiner Bedeutung, sondern auch von seinem Klang abhängt.
Pimmel klingt für mich weich und humorig. Pim-mel. Pim klingt wie der Name eines Heinzelmännchens und die Endung -mel assoziiere ich nicht mit Maskulinität. Bedeutungstechnisch kommt erschwerend hinzu, dass Pimmel ein Wort ist, das wir als Kinder benutzt haben – das nimmt dem Wort in meinen Augen eine Menge sexuelle Kraft.

Ist Schwanz schon zu vulgär?

Wenn du mich fragst: Nein. Andere sehen das anders. Was spricht für dieses Wort? Mir gefällt, dass es nur aus einer Silbe besteht, das macht den Klang automatisch härter. Das a und das z klingen für mein Ohr definitiv männlicher, als das i und das -el weiter oben. Pluspunkte. Das große Manko ist, dass dieses Wort von einigen Leserinnen mit Pornographie assoziiert und daher abgelehnt wird.

Soll ich dann Penis schreiben?

Zumindest wäre das die biologisch korrekte Bezeichnung. Diese Vokabel hat den Vorteil, dass sie zumindest nicht die Gefahr birgt, Lachkrämpfe oder Ekel hervorzurufen. Allerdings … ruft sie halt auch sonst nicht viel hervor. Penis ist die Inkarnation der Neutralität. Es klingt durch seine Endung -nis (Vorkommnis, Hindernis, Zeugnis) einfach zu sachlich, um aus sich selbst heraus Erotik zu erzeugen. Trotzdem kein schlechtes Wort, es braucht meiner Meinung nach nur etwas Unterstützung, wenn es die richtige Wirkung entfalten soll.

Ich hab’s: Glied!

Du siehst mich die Nase kräuseln. Ich verrate dir ein Geheimnis: Glied war meine To-Go-Bezeichnung als ich damals mit sechzehn angefangen habe, kleinere erotische Szenen in meinen Fanfictions oder Text-Rollenspielen einzubauen. Penis war mir nicht mutig genug und vor Schwanz hatte ich Angst. Glied war irgendwo dazwischen. Heute mag ich das Wort allerdings gar nicht mehr für Sexszenen. Warum?
Zuallererst fällt mir auf, dass Glied kein männliches Substantiv ist, sondern ein sächliches. Das finde ich suboptimal, wäre aber an sich noch kein Ausschlusskiterium. Der Klang allerdings schon. Wie bei Pimmel gefällt mir das i nicht so recht (und hier ist es auch noch ein langes). Das d am Ende klingt mir leider wieder zu weich um sexy zu sein.
Positiv ist hier aber, dass das Wort nicht so sehr in der Schmuddelecke gesehen wird, wie Schwanz.

Ähhhh-rektion?

Erektion. Für mich auf der Wissenschaftlichkeits-Skala noch weiter oben als Penis. Haha, weiter oben, du verstehst? Leider treffen bei diesem Wort mehrere negative Aspekte aufeinander. Es klingt durch seine Endung sehr steril und es ist ein weibliches Substantiv. Vorteilhaft: Es gehört nicht in die vulgäre Sparte.
Verwenden würde ich das Wort vorzugsweise am Anfang einer Erotikszene, wenn das Blut noch nicht so kocht. Eine Erektion, die sich unter dem Stoff abzeichnet, ist besser, als eine Erektion, die irgendwo reingesteckt wird. Versteht jemand, was ich meine? Ich sehe es als eine Vokabel, die besser zum niedrigeren Erregungsgrad passt.

Männlichkeit klingt so schön … männlich

Dieses Wort ist ein Klassiker im Vokabel-Werkzeugkasten für Sexszenen. Es ist eher poetisch als vulgär und wirkt wie der elegante Weg aus der Gefahrenzone. Männlichkeit ist leider ein weibliches Substantiv (wie paradox!). Das wird spätestens dann doof, wenn ich das Pronomen benutzen möchte. Schade.
Der Klang liegt für mich irgendwo zwischen sachlich und romantisch und füllt damit eine Lücke. Man sollte sich bei der Verwendung allerdings bewusst sein, dass sich an dieser Vokabel auch einige Leser stoßen, weil sie finden, dass ihr ein Hauch Unprofessionalität anhaftet. So als würde man sich nicht trauen, die Sache direkt beim Namen zu nennen.

Erregung erregt hoffentlich

Erregung würde ich ähnlich einsortieren, wie Männlichkeit. Es ist auch weiblich, hat eine nicht soooo optimale Endung, transportiert dafür aber eine gute Bedeutung. Es ist nicht vulgär, aber auch nicht zu wissenschaftlich … eigentlich gute Voraussetzungen.
Leider gibt es ja immer irgendwas auszusetzen und so ist es auch bei diesem Wort so, dass manche Leser den Verwender dieser Vokabel als feige kritisieren. „Erregung ein Zustand, kein Synonym für Penis“, liest man hier und da. Natürlich stimmt das. Aber als Autoren sind wir doch auch Handwerker und Künstler und unser Werkzeug – die Sprache – ist nicht starr, sondern formbar.

Nächster Vorschlag: Härte

Ich darf mich outen und sagen, dass ich dieses Worte gerne mag 😉 es ist so praktisch, ich meine, schaut hin – hart steckt schon drin! Zwei zum Preis von einem. Es macht mich wirklich traurig, dass es ebenfalls weiblich ist. Jedes Mal, wenn ich irgendwo ’seine Härte‘ schreibe, bedauere ich diese Tatsache.
Okay, also abgesehen von der Bedeutung, die es transportiert, klingt das Wort durch sein r und t kraftvoll. Das ist gut. Das ä ist nicht optimal, aber besser als ein i allemal. Härte liegt für mich auf dem perfekten Punkt zwischen vulgär und sachlich und ist dabei weder romantisch noch unromantisch. Man kann quasi noch was daraus machen.
Die Auffassung des Lesers tendiert hier aber in die selbe Richtung wie schon bei Männlichkeit.

Heißes/hartes Fleisch. Lecker!

Schwieriger Fall. Das Wort Fleisch alleine wirkt definitiv unpassend, einfach weil es nach einem Klumpen oder einer Masse klingt und dadurch nicht die gewünschte Assoziation weckt. Es braucht also noch ein Adjektiv, damit der Leser überhaupt in die richtige Bahn gelenkt wird.
Fleisch ist ein sächliches Substantiv, also nicht ganz optimal. Der Klang ist recht gemischt. Nicht ganz so hart wie Schwanz aber auch nicht so wabbelig wie Pimmel. Eigentlich okay und noch dazu einsilbig. Trotzdem hat Fleisch kein Favoritenpotenzial, weil es leicht albern wirken kann. Ich würde zu sparsamer Verwendung raten und es eher in der zweiten Hälfte einer Sexszene benutzen, da gesteht man den Charakteren so eine Wortwahl noch eher zu 😉

Männer sagen auch mal Ständer

Männer sagen so einiges zu ihrem Teil … Ständer ist ein Wort, das ich lieber in der wörtlichen Rede benutzen würde, als im beschreibenden Text. Ständer ist ein männliches Substantiv und klingt nicht zu weich oder zu albern, allerdings stört die Assoziation mit ‚Fahrradständer‘ die erotischen Wellen ein bisschen (zumindest soweit es mich betrifft).
Ich verweise hier nochmal nach oben auf ‚Erektion‘ was die Verwendung betrifft.

Wir werden langsam abstrakter … Rohr

Rohre sind lang und hart und haben die richtige Form. Gute Voraussetzungen für die Verwendung in einer Erotik-Szene? Nun, es ist ein männliches Wort, es hat nur eine Silbe und klingt stark, fast wie ein Brunftschrei 😉 Für mich gehört das Wort in die Kategorie ‚unter Umständen verwendbar‘. Der Umstand müsste sein, dass es perfekt zu der Stimme meines Perspektivcharakters passt.
Als pauschal verwendbare Vokabel würde ich es nicht deklarieren, dafür ist die Wahrscheinlichkeit, dass es den Leser zum Schmunzeln bringt, zu groß.

Pack den Fickhammer aus!

Ich habe jetzt ein paar Stufen übersprungen. Wir befinden uns hier auf einer Ebene, wo die Laute eines Wortes unabhängig von seiner Bedeutung kein Kriterium mehr sind. Wörter wie Lustbolzen, Fickhammer und Liebeskolben (oder was es sonst noch alles gibt) eignen sich meiner Ansicht nach nur dann, wenn wir den Leser absichtlich zum Lachen bringen wollen oder wenn das Niveau des Textes ganz bewusst ein niedriges ist. Es gibt bestimmt den einen oder anderen Leser, der solche Vokabeln im entsprechenden Kontext heiß findet … das Risiko, dass der Effekt bei der Mehrzahl ein völlig anderer ist, ist aber sehr groß.

Wofür soll ich mich entscheiden?

Es gäbe natürlich immer noch die Möglichkeit, den Text so zu formulieren, dass man niemals in die Verlegenheit kommt, das Geschlechtsteil direkt benennen zu müssen, aber meine Versuchsreihe hat gezeigt, dass das je nach Länge der Szene kaum umsetzbar ist, da es schnell konstruiert, bemüht und einfach umständlich klingt. Dabei wollen wir doch eigentlich möglichst natürlich klingen, wenn wir schreiben. Also auch keine Alternative …

Ich glaube, hier muss jeder seine eigenes Wohlfühlrezept finden. Sortier die Wörter in deine eigenen Kategorien ein; benutz die Wörter, die du passend und angemessen findest und die vor allem zur Atmosphäre und den Charakteren passen. Eine unschuldige Jungfrau wird anderen Bezeichnungen den Vorzug geben, als ein Aufreißer. Ebenso sollte eine romantische Hochzeitsnacht anders klingen, als ein heißer Quickie im Fahrstuhl. Wir passen in actionreichen, traurigen oder humorvollen Szenen unsere Sprache an, um den gewünschten Effekt zu erzielen – Erotikszenen sind keine Ausnahme. Nur Mut!