Der NaNoWriMo 2017 nährt sich seinem Ende mit großen Schritten. Einige sind schon fertig mit ihren 50.000 Wörtern, andere liegen genau im Zeitplan und dann ist da die Gruppe derer, die etwas aufholen müssen.

Und wieder kommt die Frage auf, die uns Autoren packt und um den Schlaf bringt: Wie erhöhe ich meinen Output? Wie kann ich schneller schreiben? Über das Thema ist schon viel gesagt worden … den inneren Korrektor ausschalten, Pomodoro-Technik, Sprints, Mut zur Lücke haben, Störfaktoren abschalten – darüber will ich hier nicht reden. Ich will über etwas reden, das zwar simpel ist, aber oft nicht erwähnt wird, obwohl der Effekt enorm ist.

Die meiste Zeit beim „Schreiben“ geht für Denkprozesse drauf – zumindest bei mir. Ich setze mich an meine Tastatur und beginne eine neue Szene. In meinem Plotplan steht für diesen Part vielleicht so etwas wie „A und B treffen sich in einem Café und reden über Bs Exfreund, der sich in die Beziehung einmischt. Sie geraten darüber in Streit und B verlässt wütend die Szene. A bleibt frustriert zurück und denkt darüber nach, wie er B beweisen kann, dass sein Ex etwas im Schilde führt. Er geht zu dessen Haus und versucht, zu spionieren.“

Okay, sage ich mir, also ein Café.
Und da geht das Nachdenken schon los. Was ist das für ein Café? Wie sieht es da aus? Welches Wetter herrscht draußen? Und wie spät ist es eigentlich? Hat A gerade Mittagspause oder treffen sie sich nach der Arbeit? Oder am Wochenende? Was bestellen die beiden? Wie sieht der Kellner aus?
Ich denke mir das also alles aus, denn ich bin ja Autorin, und schreibe den Einstieg in die Szene. Dann kommt der Dialog und ich frage mich wie ich die Unterhaltung der beiden in die richtige Richtung lenke. Wie würde A so ein Gespräch einleiten? Und wie wird B im Detail reagieren?

„Sie geraten darüber in Streit“ ist keine allzu genaue Angabe, Vergangenheits-Ich. Wie sieht dieser Streit aus? Wird es laut? Kippt einer dem anderen sein Getränk über den Schoß? Gibt es wilde Gesten? Gerät die arme Bedienung zwischen die Fronten?

Wie bekomme ich A danach zum Haus des Ex-Freundes? Weiß er überhaupt, wo der wohnt? Wenn nicht, wie findet er es heraus? Geht er zu Fuß oder fährt er mit dem Bus? In was für einer Gegend liegt das Haus? Wie sieht es aus?

Diese Fragen zu beantworten macht Spaß und gehört zum Schreibprozess. Darüber nachzudenken frisst allerdings mehr Zeit, als man auf Anhieb vermutet. Da liegt das Potenzial für die Ersparnis. Und nein, wir werden nicht das Nachdenken weglassen oder einfach immer die erstbeste Idee hernehmen. Wir trennen nur den gedanklichen Schaffensprozess (oder wenigstens einen Großteil davon) zeitlich vom Tippen.

Jeder von uns hat Momente in seinem Tagesplan, die sich wunderbar zum Nachdenken eignen: im Wartezimmer, in der Bahn, im Aufzug, in der Dusche, in der Warteschlange beim Einkaufen … Dass ich angefangen habe, solche Momente zu nutzen um mir die nächste Szene filmisch vorzustellen, hat mir sehr geholfen, meine Produktivität zu erhöhen. Ich kannte den Film von vorne bis hinten. Jede Bewegung, jede Kulisse und im besten Fall auch einige Sätze, die in den Dialogen fallen. Je genauer ich die Szene am Ende vor Augen hatte, umso besser konnte ich am Rechner angekommen dann in die Tasten hauen. Natürlich fehlten noch eine handvoll Details, aber das meiste war bereits geklärt, sodass ich manches mal bis zu 2500 Wörter die Stunde geschafft habe, ohne dass sich die Qualität meines Rohentwurfs an dieser Stelle sichtbar von den Teilen, die ich deutlich langsamer geschrieben hatte, unterschied.

Euch ist bestimmt auch schon mal aufgefallen, dass einige Szenen einem nur so aus der Hand fließen. Das sind eben meistens genau die, die wir schon lange in unserem Hirn herumgewälzt haben. Die, auf die wir uns während der gesamten Planung schon gefreut haben. Die, die wir uns aus purer Vorfreude bis ins kleinste Detail ausgemalt haben. Wenn wir das mit jeder Szene tun, können wir auch jede Szene schneller zu Papier bringen.

Teilt gerne eure eigenen Erfahrungen in den Kommentaren 🙂

Fröhliches Schreiben!