Lasst uns das neue Jahr damit beginnen, mal darüber nachzudenken, was wir am Schreibprozess (und damit meine ich jetzt mal ganz großzügig alles von der ersten Idee bis zum fertigen Buch!) lieben. Der eine zeichnet gerne Karten oder Skizzen seiner Charaktere, der andere liebt es, die perfekten Metaphern zu finden und der Dritte sammelt Stimmungsbilder für seine Pinterest-Wand. Ich habe hier mal meine Top 7 der Dinge aufgelistet, die mir am Schreib- bzw. Veröffentlichungsprozess am meisten Spaß machen.

1. Plotten

Kürzlich hat mich eine Freundin gefragt, was ich lieber tue: Plotten oder Schreiben. Ehrlich gesagt, mag ich immer gerade das am liebsten, was ich nicht tue. Wenn ich Schreibe, sehne ich mich nach der Plotting-Phase, weil da noch jede Falte ohne Probleme ausgebügelt werden kann und man sich wie der große Gott fühlt, der alle Fäden in der Hand hält. Es macht mir Spaß, meine Ideen zu sortieren, Bögen zu spannen, Strukturen festzulegen und die Geschichte zu entwickeln. Wenn ich gerade plotte, wünsche ich mir allerdings meistens recht schnell wieder, mich ans Manuskript setzen zu können und alle diese Dinge, die ich in meinen Plotplan notiere, endlich auskleiden zu dürfen. Insgesamt kann ich wohl sagen: Ich liebe beides!

2. Anfänge! (und der Rohentwurf an sich)

Auch wenn sie nicht immer leicht zu finden sind, schreibe ich unheimlich gerne Anfänge. Die ersten Absätze sind für mich magisch: Ich betrete die Welt, die ich vorher tage- und wochenlang geplant habe, zum ersten Mal und treffe meine Charaktere. Am Anfang habe ich besonders viel Energie und so viel mit der Geschichte und den Helden vor, dass die Worte nur so aus den Fingern fließen. Ein tolles Gefühl!
Mitten und Enden liebe ich natürlich auch. Und witzige Dialoge, Streitereien, Sex-Szenen … hmm, ich glaube, das Einzige, das ich nicht so sehr leiden kann, sind Kampfszenen. Daran arbeite ich noch.

3. „Gehirnmagie“

Ich plotte und plane zwar im Vorfeld recht genau, doch es bleiben und entstehen beim Schreiben doch kleine Lücken, die mit Improvisation gefüllt werden wollen. Dabei kommt es immer mal wieder vor, dass ich Motive aus dem Verlauf der Geschichte unbewusst nochmal aufgreife oder Details, die zuvor nebensächlich waren, plötzlich eine besondere Rolle erhalten. Manchmal halte ich dann kurz Inne, lehne mich zurück, lese den Absatz nochmal und frage mich, wie mein Hirn diesen Plan so lange vor mir geheimhalten konnte.

4. Austausch

Und damit meine ich nicht nur das Feedback von Lesern (das ist wundervoll!), sondern auch Gespräche mit oder Tweets von anderen Autoren, Lektoren, Künstlern. Alles, was irgendwie damit zusammenhängt.
Während ich mitten in einem Schreibprojekt stecke, fühle ich mich als Teil dieser riesigen #amwriting-Community auf Twitter. Das ist mein NaNoWriMo-Feeling für zwischendurch. Ich fühle mich dann motiviert und angetrieben und als Teil eines wunderbaren Ganzen. Neben dem Austausch des aktuellen Wordcounts kommen auch manchmal spannende Diskussionen zustande, die wieder neue Sichtweisen und Ideen auf den Tisch bringen – immer erfrischend!

5. Cover

Egal ob ich das Cover selber erstelle oder einen Designer damit beauftrage – das Buchcover anzugehen, ist einer meiner liebsten Arbeitsschritte. Ich denke nochmal ganz anders über die Geschichte nach und überlege, wie ich den richtigen Vibe an den potenziellen Leser übermitteln kann. Die Suche nach geeigneten Fotos frisst erfahrungsgemäß 1000 Stunden, aber sie macht auch Spaß und der Moment, in dem man dann sagt „Wow, das ist es!“, ist es allemal wert.

6. Veröffentlichen

Ich fahre jedes mal mit der Gefühlsachterbahn, wenn es so weit ist und ich den „Veröffentlichen“ Button drücken darf. Oh mein Gott, kann ich es jetzt wirklich auf die Leser loslassen? Wie wird es ankommen? Ist da wirklich kein Fehler mehr im Klappentext? Und was wenn Amazon mein Buch aus unerklärlichen Gründen bei Ratgeberliteratur statt bei Liebesromanen einsortiert? 😉

7. Gefühle, Gefühle, Gefühle

Wenn ich schreibe „Er gähnte“ dann muss ich automatisch auch gähnen … ja, meine Spiegelneuronen sind sehr aktiv. So ist es auch in allen anderen Situationen im Skript. Läuft es für meinen Charakter gut und fliegen witzige Sprüche durch die Gegend, grinse ich beim Schreiben; trauert er oder erlebt etwas Tragisches, laufen bei mir die Tränen. Ziemlich aufwühlend aber doch auch einer der Aspekte, für die ich überhaupt schreibe – ich will von Worten und Charakteren berührt werden und dasselbe mit diejenigen tun, die meine Texte lesen.

Es gibt so viele tolle Dinge am Schreibprozess. Welches sind deine Top 7? Schreib es gerne in die Kommentare!