Das hier wird ein sehr persönlicher Post und ein längerer Text. Wer sich also eine kompakte Checkliste meiner Erkenntnisse zu den besten Verkaufsstrategien erhofft, darf sich die Zeit sparen 😉 Es geht stattdessen um meinen persönlichen Weg, meine Meinung und meine Erfahrungen zu Marketing und Networking. Angeregt wurde der Post durch die Reaktionen auf einen meiner Tweets. Also starten wir los.

Kaltstart

Als ich im Februar 2017 Band 1 von Grenzen veröffentlichte, hatte ich weder eine Homepage, noch eine Facebookseite und auf Twitter besaß ich sagenhafte 18 Follower (oder so). Die Homepage entstand Ende Mai 2017, die Facebookseite Ende August. Ich hatte also keine 1.000 Abonnenten und auch kein „Netzwerk“ hinter mir, wie es von Marketing-Experten empfohlen wird. Trotzdem verkauften sich meine ersten Veröffentlichungen. Und die waren aus heutiger Sicht nicht mal besonders gut. Es gab viele Tippfehler und der Schreibstil war nicht besonders geschliffen. Nun kann man sagen „Gut, das war halt BDSM bzw. Erotik, das verkauft sich halt so oder so“, sicher stimmt das auch zumindest zu einem großen Teil. Aber: Meine Kurzgeschichte „Ein neuer Anfang“ erschien im April 2017 und verkaufte sich am ersten Tag fast 250 Mal. Kein BDSM, keine Erotik, nur eine kleine Liebesgeschichte von nicht mal 50 Seiten. Ich habe das eBook nirgends beworben. Weder auf Twitter, noch auf Facebook, Instagram, auf meinem Blog, Lovelybooks oder sonstwelchen Plattformen. Es gab keine Leserunde. Ich habe keine Blogger angeschrieben und um Rezensionen gebeten. Nichts. Ich habe es nur veröffentlicht und mich dann ans nächste Projekt gesetzt.
Natürlich ist das jedes Genre und jede Zielgruppe ein bisschen anders. Es mag sein, dass es bei Science Fiction oder Fantasy oder Krimis anders aussieht als bei Liebesromanen oder Erotik. Ich kann hier nur für mich sprechen – aber meine Erfahrung ist eben auch ein Teil des großen Ganzen und deswegen ebenfalls ein Teil der Realität. Es geht mir hier vor allem darum, zu zeigen, dass es eben nicht stimmt, dass niemand dein Buch jemals finden wird, wenn du es nicht bewirbst,

Dein nächstes Buch ist die beste Werbung

Wenn man den Erfolg von so einigen Verlagsbüchern betrachtet, könnte man den Eindruck bekommen, dass Werbung wirklich alles ist. Wie sonst konnten Werke wie „Feuchtgebiete“ oder „Fifty Shades of Grey“ zu Bestsellern werden? Wahrscheinlich nicht wegen des tollen Stils oder des ansprechenden Inhaltes (wobei das natürlich auch zum Teil Geschmackssache ist). Diese Bücher sind mit großer Wahrscheinlichkeit deshalb erfolgreich geworden, weil sie mit viel Geld beworben und verbreitet wurden. Ich nehme an, dass es daher kommt, dass so viele Leute denken, man müsse nur entsprechend viel Werbung machen und dann würde sich das Buch gut verkaufen.
Niemand von uns Selfpublishern oder Kleinverlagsautoren hat genug Geld, um solche Werbung zu machen. Hinter solchen Bestsellern stehen Marketing-Teams und große Plattformen. Soll ich nun als Autor versuchen, mir so eine Plattform zu bauen? Soll ich versuchen, die Arbeit eines Marketing-Teams alleine zu machen? Manche scheinen zu sagen: Ja!
Ich lese und höre Dinge wie „Du brauchst mindestens 1.000 Abonnenten für deinen Newsletter!“ oder „5.000 Follower bei Twitter“ oder „1.000 Besucher auf deiner Website – täglich!“ und frage mich: Brauche ich das wirklich?
Mich haben diese Ratschläge und Zahlen einerseits verunsichert und andererseits zweifeln lassen. So viele Menschen zu sammeln dauert lange. Natürlich habe ich damit angefangen. Aber ich habe auch schnell gemerkt, wie viel Zeit und Energie es kostet, Blogbeiträge zu schreiben, SEO zu machen, in sozialen Netzwerken aktiv zu sein und Newsletter zu bewerben. Und dann dachte ich mir: Eigentlich sollte ich in all dieser Zeit doch lieber schreiben. Eigentlich sollte ich all diese Energie lieber in das stecken, was zählt: Die Bücher, die Geschichten.
Zum Glück stieß ich bei meiner Recherche auch auf einige englische Blogs von Autoren und Autorinnen, die das aussprachen, was meinem Gefühl entsprach: Dein nächstes Buch ist die beste Werbung. Das gab mir wieder Mut.

Hohe Erwartungen

Ich glaube, die Erwartungshaltung von Erstlingsautoren ist das, was oft zu großer Ernüchterung führt. Man hat viel Arbeit in das Buch gesteckt, viel Herzblut, viel Anstrengung und möglicherweise auch viel Geld. Natürlich wünscht man sich, dass es viele Leute lesen, das ist absolut verständlich. Oft denkt man vielleicht auch, man könnte nie wieder eine so gute Idee haben, nie wieder so etwas schreiben. Deswegen muss dieses eine jetzt durchstarten. Und dafür braucht es viel Marketing (sagen die Experten).
Was passiert? Der frischgebackene Autor bewirbt das Buch auf seinen social media Kanälen, postet Textschnipsel, selbstgezeichnete Grafiken, verschenkt Bücher, lässt Lesezeichen und Postkarten drucken, stapelt Exemplare zu Hause, die er dann bei Lesungen oder Messen verkaufen oder verschenken kann. Ein riesiger Aufwand, nicht nur zeitlich sondern auch finanziell.
Habt ihr mal beobachtet, wie viele Likes Posts mit Textschnipseln z.B. auf Twitter bekommen? Ich habe selten welche gesehen, die mehr als fünf Herzen bekamen. Manchmal ist es nicht mal eines. Ebenso verhält es sich mit Posts, in denen steht „Hier ist mein Buch (Verkaufslink). Es geht um das Paarungsverhalten von Fröschen. Heute zum Sonderpreis von 99 Cent!“ Solches Marketing scheint eher schlecht zu funktionieren. Und es funktioniert auch nicht besser, wenn man das jeden Monat wiederholt. Die Leute sind dann eher genervt davon und schalten einen stumm oder entfolgen. Damit hat man das Gegenteil von dem erreicht, was man eigentlich wollte.

Content Marketing und Zielgruppen

Nun kommt das Schlüsselwort „Content Marketing“ ins Spiel. Also Werbung, die nicht als solche wahrgenommen wird. Man soll zum Beispiel hilfreiche Blogbeiträge schreiben. Damit lenkt man Leute auf die eigene Website, macht auf sich aufmerksam und hat die stille Hoffnung, dass die Besucher darüber dann auf einen aufmerksam werden und sich auch das Buch anschauen. Natürlich kann das funktionieren. Das will ich nicht ausschließen. Aber man sollte sich immer fragen, ob das für einen selbst ganz persönlich den Aufwand rechtfertigt. Wenn man sowieso gerne bloggt und es einem Spaß macht, dann kann das sicher lohnenswert sein, wenn es diesen Werbe-Nebeneffekt hat. Aber wer sich hauptsächlich erhofft, darüber viele Bücher zu verkaufen, der wird wahrscheinlich enttäuscht werden.
Die Frage ist ja auch: Wie viele von den Leuten, die ich erreiche, interessiert mein Buch überhaupt? Erreiche ich mit Posts über Schreibtipps wirklich Leserinnen von Science-Fiction-Romanen? Erreiche ich mit meinen lustigen Twitter-Posts Leser von historischer Fantasy? Erreiche ich mit meiner Facebookseite Eltern, die Kinderbücher für ihre Sprösslinge suchen?
Viele Follower sind nicht automatisch viele Leser oder Käufer. Viele Follower sind vielleicht auch einfach nur ebenfalls viele Schreibende, die selber Follower suchen und deswegen (zurück)folgen.

Ein Buch, sie zu knechten, sie alle zu finden …

Ein gutes Buch auf dem Markt zu haben, ist großartig. Zwei gute Bücher auf dem Markt zu haben, ist noch großartiger. Drei gute Bücher … das geht immer so weiter. Du kannst unendlich viel Werbung für deinen ersten Roman machen, aber er wird sich niemals an Leute verkaufen, die das Thema nicht oder weniger stark anspricht. (Vom Genre ganz zu schweigen, aber das klammern wir mal aus, weil man ja häufig erst mal bei einem einzigen Genre bleiben wird, wenn man anfängt, zu schreiben.)
Schon allein deswegen, hilft es mir als Autor, weitere Bücher zu schreiben. Damit baue ich auch Vertrauen auf. Wen mein erstes Buch nicht interessiert hat, dem gefällt vielleicht das Thema von Buch drei. Und vielleicht auch Buch vier. Und dann überlegt er sich womöglich, dass er doch mal einen Blick in Buch eins oder zwei riskieren sollte, weil ihm der Schreibstil so gut gefällt und das Thema ja vielleicht mehr zu bieten hat, wenn man der Sache erst eine Chance gibt. Wer weiß?
Mehrere Bücher bedeuten also mehrere Chancen. Sie bedeuten aber auch mehr Sichtbarkeit. Klar, es macht einen Unterschied, ob ich ein Los im Lostopf habe oder fünf.
Es ist auch ein Irrtum, zu glauben, dass ein Buch, für das man keine Werbung macht unmöglich von Lesern gefunden werden kann. So gut wie jede Verkaufsplattform preist die neusten Veröffentlichungen ganz automatisch an. Bei Amazon wird man beispielsweise mehrere Wochen unter den Neuerscheinungen gelistet. Wenn ich im nächsten Jahr wieder ein Buch veröffentliche, taucht es auch wieder da auf. Auch das ist Sichtbarkeit. Sichtbarkeit, für die ich als Autor nichts weiter tun muss. Natürlich bringt die auch keine garantierten Leser – aber welche Marketingvariante tut das denn?
Bevor jetzt jemand kommt und sagt: „Bücher sind aber kein Fließbandprodukt!“ – Das behaupte ich auch nicht. Jeder soll sich so viel Zeit zum Schreiben nehmen, wie er braucht, und man sollte natürlich nicht mit dem Gedanken an reine Masse veröffentlichen. Man sollte immer bestrebt sein, die bestmögliche Version seines Buches zu schaffen – nicht irgendwas hingeschludertes. Dein neues Buch wird deine alten Bücher schließlich auch nur verkaufen, wenn es gut beim Leser ankommt. Das sollte ja eigentlich klar sein.
Was ich hier sagen will ist: Mehrere gute Bücher vom selben Autor bewerben sich gegenseitig. Das ist ein Fakt, der oft übersehen wird. Alle anderen Marketing-Bemühungen multiplizieren sich, wenn man mehrere Bücher veröffentlicht. Deswegen: Vergesst das Schreiben nicht!

Noch ein paar persönliche Worte zum Networking

Das ist ein Thema, bei dem es sicher auch sehr auf die persönliche Definition ankommt. Deswegen schreibe ich hier erst mal, was ich darunter verstehe. Networking heißt für mich, dass man versucht, sich einen Kreis von Leuten aufzubauen, die auf irgendeine Weise hilfreich für einen sein könnten. Sei es, weil sie eine große Reichweite haben oder weil sie irgendetwas Bestimmtes können oder wissen. Im Falle eines Autors kämen also andere Autoren infrage, Lektoren, Korrektoren, Blogger, Designer, Illustratoren, Buchsatz-Experten, und so weiter.
Irgendetwas an diesem Gedanken hat mich von Anfang an gestört. Ich denke, es ist die Tatsache, dass man auf die Leute zugehen soll, weil man sich davon einen Vorteil verspricht, das Ganze aber eher so ein bisschen als Freundschaft verkaufen möchte. Selbst wenn man nicht erwartet, irgendwas gratis zu bekommen und vielleicht auch nicht sofort irgendwas haben will … aber auf lange Sicht eben doch. Für mich macht es da gefühlsmäßig auch keinen so großen Unterschied, dass man gleichzeitig bereit ist, auch etwas zu geben. Dann ist es ein Tauschgeschäft. Fair. Legitim. Mich spricht es trotzdem nicht an. Wenn ich auf Menschen zugehe, dann weil sie mir sympathisch sind oder weil ich sie interessant finde. Natürlich kann man jetzt sagen, dass man eben Lektor X oder Bloggerin Y interessant findet und deswegen den Kontakt sucht, aber ich hätte trotzdem immer die Frage im Kopf, ob das wirklich aufrichtig ist.
In Freundschaften gibt man und nimmt man. Das ist normal. Natürlich tut man das. Aber beim Networking geht es nicht vorrangig um Freundschaften. Es geht zuerst um hilfreiche Kontakte für das eigene (berufliche) Vorankommen. Zumindest laut den Definitionen, die man so im Netz findet.
In einem Podcast habe ich gehört, dass man, wenn man ein entsprechend großes Netzwerk aufgebaut hat, natürlich sortieren und bewerten muss. Man hat ja gar nicht die Zeit, allen Kontakten gleichmäßig viel Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Man wählt also aus und sortiert nach Nützlichkeit und sicherlich auch nach der passenden Chemie. Die Menschen sind bis zu einem gewissen Grad Werkzeuge. Daran ist ja nichts Schlimmes. Solange niemand ausgenutzt oder sonstwie geschädigt wird, ist das alles okay. Eine Hand wäscht die andere.
Für mich ist das nicht der Weg, auf dem ich aktiv voranschreiten will. Natürlich weise ich niemanden direkt ab, der auf mich zukommt, aber ich starte es nicht von mir aus, und ich schaue sehr genau, wie sich dieser Kontakt entwickelt. Ich versuche, offen zu bleiben. Leider hat die Erfahrung bisher gezeigt, dass man mich eher dazu benutzen wollte, Zahlen in Erfahrung zu bringen. Mit Freundschaft oder Interesse an der Person hatte das nichts zu tun. Die Kontakte waren stets kühl und sobald man hatte, was man wissen wollte, ließ man nichts mehr von sich hören …
Mein „Netzwerk“ (wenn man es denn unbedingt so nennen will – ich nenne es nicht so) besteht aus meinen zwei besten und engsten Freundinnen, die ich schon viele Jahre kenne, teilweise mein halbes Leben lang, … und vor allem schon lange bevor ich angefangen habe, Bücher zu schreiben. Natürlich unterstützen sie mich, aber sie tun es nicht für ihr berufliches Vorankommen oder weil ich irgendwie hilfreich bin oder mal sein könnte, sondern weil sie mich lieben als den Menschen, der ich bin, mit allen Facetten und auch den schlechten Seiten.
(Auch hier nochmal: Ich sage nicht „Networking ist sinnlos oder blöd“ sondern „Überleg dir, ob es dein Weg ist. Ob du es brauchst, ob du es willst.“ – meinen Tipps sollte man genauso wenig blind folgen, wie denen von anderen 😉 am Ende entscheidet jeder für sich selbst, jeder ist anders und jeder hat seinen eigenen Weg. Ich schließe auch nicht aus, dass sich aus Networking-Kontakten echte Freundschaft entwickeln kann.)
Vielleicht könnte man sagen, dass meine Testleser/innen sowas wie mein Netzwerk sind. Immerhin findet da ja ein hilfreicher Austausch statt, der dazu dient, mein Schreiben zu unterstützen. Hier schließt sich der Kreis … denn die Mädels habe ich durch meine Bücher gewonnen. Sie lesen nicht für mich, weil ich für sie dann ebenfalls testlese, sondern weil sie meine Geschichten mögen und weil sie mich unterstützen möchten (Himmel, sie wollen ja teilweise nicht mal, dass ich ihnen kostenlose Prints als Belohnung zusende, weil das ein finanzieller Aufwand für mich wäre. Sie sind so unglaublich lieb und warmherzig!). Für mich sind sie damit der beste Beweis dafür, dass die Bücher an sich die beste Werbung für einen Autor sind.

PS: Beste Werbung bedeutet nicht einzige Werbung. Auch das wurde in meinem Tweet zu dem Thema missverstanden. Natürlich mache auch ich (inzwischen) auch andere Werbung für mich und meine Bücher und natürlich poste ich hin und wieder auf Facebook und Twitter und schreibe etwas in diesen Blog, aber ich schätze den Einfluss dessen auf meine Verkäufe als gering ein. Es ist eher ein netter Zusatz und zum Teil auch etwas, das ich aus Freude mache (z. B. Verlosungen oder mal eine Leserunde). Ich habe bis heute nur knapp 200 Twitter-Follower, nicht mal ganz 100 Facebook-Fans und sogar noch etwas weniger Newsletter-Abonnenten. Ich bin also weit unter den Zahlen, die so empfohlen werden. Was ich aber trotzdem habe sind treue Leser/innen – und mehr Zeit und Energie zum Schreiben.