Wie kommt es, dass du Romane über schwule Männer schreibst? Obwohl unsere Gesellschaft immer aufgeklärter wird, ist es immer noch ein großes Thema, wer was schreibt. Mancher fragt sogar: Darf die das? Ich sage: Ja, wir dürfen. Heute erzähle ich, wie ich überhaupt auf Gay Romance gestoßen bin.

Alles begann mit RTL 2

Ohne Witz. Meinen ersten Kontakt zur schwulen Liebe habe ich über das Anime-Programm von RTL2 in den 90ern und 2000ern hergestellt. Nach der Schule habe ich stundenlang Digimon, Dragonball und Yu-Gi-Oh! geschaut und fand es großartig. Ihr würdet euch kringeln, wenn ihr gesehen hättet, wie ich zu den Titelliedern performt habe.

Ich konnte nicht genug von meinen Lieblingsserien kriegen. Ein Glück, dass es auch zu dieser Zeit war, als mein Vater bei uns das Internet ins Haus brachte. Ich sage nur ein Wort: Fanfiction. Fortan las ich jede Menge davon. Zuerst noch über die Hetero-Pärchen, aber bald stolperte ich auch über andere. Und ich fand es toll. Für mich war zwischen Tai und Matt sowieso schon von Anfang an mehr, als man uns in der Serie zeigen wollte 😉

Yaoi = Gay Romance?

Nein, nicht wirklich. Aber es war mein Einstieg. In den nächsten Jahren habe ich Unmengen davon konsumiert und auch selbst geschrieben. Irgendwann stieß ich auf Yaoi-Mangas. Also westlich ausgedrückt: japanische Comics mit schwulen Pärchen. Anfangs fand ich die unheimlich spannend, aber diese Faszination flaute relativ schnell wieder ab, weil ich merkte, wie sehr einer dem anderen glich. Aus heutiger Sicht kommt noch dazu, dass der Großteil dieser Mangas wirklich fragwürdige Inhalte enthält. Damals habe ich das nicht hinterfragt. Aber als mir die Mangas und manchmal auch die Fanfics zu langweilig wurden, entdeckte ich etwas Neues: Text-Rollenspiele.

Die fand ich ungleich spannender, weil es interaktiv war. Ich hatte nicht mehr alles allein in der Hand, und konnte immer auf etwas hinfiebern. RPGs waren jahrelang meine große Liebe, was das Schreiben betrifft.

Quelle: pexels

Weg vom Fandom

Ich habe lange nur in Fandoms geschrieben oder gespielt. Ungefähr bis ich Anfang 20 war. Es war ein komisches Gefühl, die ersten Geschichten mit eigenen Figuren zu schreiben. Vorher konnte man sich an vertrauten Charakteren bedienen, jetzt erfand man alles selbst. Aber ich merkte schnell, dass das seinen ganz eigenen Reiz hatte.

Ich spielte jetzt andere RPGs. Nur noch solche mit eigenen Figuren in eigenen Welten. Ich hatte jede Menge Ideen. Nur leider fand ich nicht immer für jede Idee den richtigen Mitspieler. Es gab viele gescheiterte Versuche. Die machten einen großen Teil der Motivation aus, eigene Geschichten zu schreiben. Ich nahm meine Ideen, weil ich sie einfach cool und viel zu schade fand, um sie wieder zu vergessen, und machte Romane daraus. Stück für Stück.

Gitarrengeist, Der Newcomer und Der Herzschlag des Dschungels, sowie Modern Romeo basieren stark auf alten RPG-Ideen von mir. Einige liegen noch in der Schublade und warten darauf, dass ich sie irgendwann schreibe.

Gay Romance ist alles

Das Komische ist, dass ich nie wirklich nach Gay Romance Büchern gesucht habe. Auf die Idee kam ich als Jugendliche und junge Erwachsene gar nicht. Entsprechend schrieb ich meine ersten Romane im Grunde, ohne das Genre zu kennen. Vielleicht hatte ich auch ein bisschen Angst, dass sie so ähnlich wie die Mangas sein würden, die mich enttäuscht hatten.

Aber es ist wie überall: Wenn man lange genug sucht, findet man einiges. Inzwischen liegen ein paar Gay Fantasy Bücher auf meinem Stapel, auf die ich mich echt freue. Gay Romance muss keine Coming-Out-Geschichte sein. Es gibt sie in allen Formen. Man könnte sagen, es ist gar kein Genre sondern eher ein Oberbegriff, unter dem es alle Genres gibt, die es auch für die „Hetero“-Sparte gibt. Thriller, historische Romane, Krimis, Fantasy, Erotik, Humor, Mystery. Und das ist doch geil!